Teil 2: Stockfotos auf Präsentations-Slides Rechtliche Stolperfallen - #33

Michael Bäuerle
19. Januar 2021

Über Urheberrecht, Copyrights und CC-Lizenzen – Stockfotos und das Recht.

Da ist es! Wie ein Sonnenstrahl bei Regenwetter sticht das perfekte Stockfoto für deine Folienpräsentation hervor. Die Suche war all die Mühe, die Zeit, die Nerven wert. Die Slides sind nun endlich komplett ausgearbeitet! Natürlich war die öffentliche Präsentation ein voller Erfolg. Ein begeisterter Zuschauer hat sie sogar auf YouTube gepostet und die Klickrate hat innerhalb weniger Tage ein sehr beachtliches Ausmass angenommen. Alles ist gut, das Leben ist schön.

Und dann kommt die Abmahnung ins Haus geflattert.

Was ein kostenloses Stockfoto nicht wert ist

Dieses Szenario ist keine Fiktion. So, oder so ähnlich, erging es schon zig Menschen, die sich nicht über die rechtlichen Stolperfallen bei Stockfotos schlaugemacht haben. Abmahnungen, die bei einer Verletzung des Urheberrechts geltend gemacht werden, drohen nicht nur mit drakonischen Strafen, sondern auch gleich mit horrenden Anwaltskosten. Geht der Fall dann vors Gericht, sind Geldstrafen im 5- bis 6-stelligen Bereich keine Seltenheit – von den Gerichtskosten und dem Honorar des eigenen Anwalts mal ganz abgesehen. Im schlimmsten Fall können sogar mehrjährige Freiheitsstrafen anfallen. Und das alles nur, weil du die Urheberrechte des Fotos und vielleicht auch das «Recht am eigenen Bild» der abgelichteten Person nicht ganz so ernst genommen hast. Dass all dies ein kostenloses Stockfoto auf gar keinen Fall wert ist, liegt auf der Hand!

Eine Lösung: Stockfotos mit CC-Lizenz

CC steht für «Creative Commons», was sich in «schöpferisches Gemeingut» übersetzt. Mit diesen Lizenzen gestatten die Urheber der Öffentlichkeit, ihre Fotos (oder auch Musik, Videos, Texte, etc.) kostenlos zu nutzen. Hier der Link zur Website von CC.

Dabei werden vier Module der CC-Lizenzen unterschieden:

  • By Attribution (by): Du darfst das Werk benutzen, müssen aber den Urheber nennen.
  • Non-Commercial (nc): Du darfst das Werk nicht kommerziell verwenden.
  • No Derivatives (nd): Du darfst das Werk benutzen, es aber nicht verändern.
  • Share Alike (sa): Du darfst das Werk verändern, es aber nur unter by-Bedingungen weitergeben.

Aus diesen vier Grundmodulen werden wiederum sechs CC-Lizenzen abgeleitet. Somit kann die Nutzungsbedingung für ein Werk deutlich eingeschränkt werden. Ein Beispiel gefällig? Wie wäre es mit:

cc-by-nc-sa: Mit dieser CC-Lizenz muss der Urheber genannt sein. Das Werk darf nicht kommerziell genutzt, aber bearbeitet werden. Allerdings nur, wenn das bearbeitete Werk als Eigentum des Urhebers ausgezeichnet wird.

Achte also penibel darauf, ob die Zusammenstellung der CC-Lizenz des Stockfotos für deine Präsentation Sinn ergibt. Wenn du ganz auf Nummer Sicher gehen möchtest, wähle nur Stockfotos für die Slides aus, die die CC-Lizenz «by» ausweisen. Die Kombination von «by-sa» ist für die Gestaltung deiner Folienpräsentation ebenfalls sinnvoll, da du dann das Bild dem Grunddesign deiner Slides anpassen kannst. Genauere Informationen zu den CC-Lizenzen findest du auf Wikipedia.

Denke bei kostenlosen Stockfotos daran:

«There is no such thing as a free lunch!»

Diese amerikanische Redewendung aus den 30er Jahren spricht Bände. Denn so richtig «kostenlos» ist heutzutage nur noch wenig. Erst recht, wenn man es aus dem Internet zieht und für seine eigenen Zwecke benutzt. Bei den Stockfotos verhält sich das ähnlich. Professionelle Foliengestalter investieren daher lieber ein paar Taler, und kaufen sich passende Bilder von Plattformen wie zum Beispiel «fotolia» oder «istock». Sobald du nämlich für die Stockfotos Geld bezahlst, hast du das auch das Recht, diese für deine PowerPoint-Präsentation zu benutzen.

Natürlich finden sich auch viele Plattformen, die kostenlose Stockfotos zum Herunterladen anbieten. «Shutterstock» ist einer der bekanntesten Anbieter von Stockfotos, der sowohl Bilder zum Kauf anbietet als auch die kostenlose Nutzung ermöglicht. Wobei «kostenlos» relativ ist! Du kennst bestimmt die typischen Stockfotos, die durch ein Wasserzeichen das Bild vollends als Massenware highlightet. Auf vielen kostenlosen Stockfotos ist die Web-Adresse der Plattform zu sehen, auf anderen sogar Reklame.

Kurz: Du darfst die Stockfotos zwar kostenlos nutzen, läufst dafür aber für den Urheber oder die Plattform Werbung.

Ich hoffe, dass ich dir mit diesem Artikel ein wenig weiterhelfen konnte. Dass ich dieses umfangreiche Thema aber nur angekratzt habe, ist mir bewusst. Hast du eventuell noch weitere Einblicke, Ratschläge, Anekdoten oder Fragen zur Nutzung von Stockfotos für Folienpräsentationen? In der Kommentar-Box ist genügend Platz für deinen Input.

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