Hand aufs Herz: Würdest du lieber einer richtig guten Geschichte lauschen oder einer Präsentation mit drögen Unternehmenszahlen? Genau. Und damit bist du nicht allein. Unser Gehirn liebt Geschichten – nicht, weil es faul ist,
sondern weil es Emotionen schneller verarbeitet als trockene Fakten. Klingt spannend? Ist es auch. Denn wenn du Storytelling im Business richtig einsetzt, hast du die Macht, auch die staubigste Tabelle mit Leben zu füllen.
Hier ein Ausschnitt aus unserem neuen Buch „Erzähl’s doch der Parkuhr. Oder lerne, wie Storytelling funktioniert“.
Und was hast du davon? Aufmerksamkeit, Begeisterung, nachhaltige Wirkung, deine Botschaften bleiben hängen. Denn mit Storys schaffst du Bilder im Kopf und weckst Emotionen, die dafür sorgen, dass dein Publikum nicht nur zuhört, sondern sich erinnert. Das Beste daran? Mit dem richtigen Storytelling wird dein nächstes Meeting vielleicht nicht zum Hollywood-Blockbuster,
aber zumindest spannender als die letzte Verwaltungspräsentation. Das ist doch schon ein grosser Schritt.
Ein Hauptgrund dafür, dass uns im Alltag ein Film deutlich mehr bewegt als eine typische PowerPoint-Präsentation am Arbeitsplatz, liegt im Unterschied zwischen Fakten und Emotionen und insbesondere darin, wie unser Hirn im Umgang mit beidem reagiert. Das erscheint dir sicher naheliegend und logisch: Firmen-Fakten sind langweilig. Bei einem guten Film begibst du dich hingegen auf eine emotionale Achterbahnfahrt.
Lass uns dennoch einen Blick in unsere Denkkiste werfen, wenn wir im allmorgendlichen Meeting sitzen: Du nimmst Platz. Ganz hinten rechts. Wie jeden Montag um diese Zeit. Herr Zuber von der Verwaltung räuspert sich kurz, schmeisst den Beamer an und legt mit seinem Vortrag los. Du lehnst dich voll konzentriert nach vorn. Es könnte wichtig sein. Wörter verlassen als lange, kaum schwingende und mausgraue Tonwellen Herrn Zubers Mund, quälen sich förmlich durch die Luft und treffen dann auf dein Gehör. Dort werden die Schallwellen übersetzt und nach einem sehr kurzen Applaus direkt an deinen Verstand weitergeleitet. Hier wird sofort klar, dass es sich wieder einmal um Fakten handelt: Zahlen, Anweisungen, ellenlange Informationen, reine Theorie. Diese staubtrockenen Pakete werden kurzerhand an die Sprachverarbeitung abgeschoben. Sollen die sich darum kümmern. Das wird auch getan. Jemand muss ja. Du lehnst dich derweil zurück. Dein Blick schweift von Herrn Zubers Mund vorbei an den hängenden Köpfen deiner Kolleg:innen und dann hinaus über die Dächer der Stadt ... Unser Hirn beschäftigt sich mittlerweile mit der Entzifferung der Logik, was echt anstrengend ist.
Dass konzentriertes Zuhören oder Lesen von Fakten richtig müde macht, können wir wohl alle bezeugen. Egal, ob ein Fachartikel vorgelesen oder selbst gelesen wird – nach spätestens 45 Minuten schmeisst dein Gehirn das Handtuch und schaltet ab. Wobei dir dieser kurze Absatz wahrscheinlich leichter verdaulich vorgekommen ist. Das liegt daran, dass wir in der Beschreibung über den Vorgang des Hörens und Verstehens eine kleine Geschichte eingebaut haben. Und mit Geschichten kann unsere Denkkiste deutlich besser umgehen. Nämlich:
60.000-mal schneller!
Sobald wir mit einer emotionalen Geschichte erfreut werden, wird das Wahrgenommene körperlich spürbar: Gänsehaut, Tränen, Herzrasen usw. Vor allem aber geht es im Gehirn voll zur Sache. Storys aktivieren dort zugleich mehrere Regionen simultan und nicht eine nach der anderen. Das Gehörte wird in Bilder umgewandelt und unser Gehirn kann bildliche Informationen
satte 60 000-mal schneller verarbeiten. Da kommt die Sprachzentrale mit Herrn Zubers Fakten einfach nicht mit. Wobei es auch hier einen Trick gibt:
Ein guter Teil der preisgekrönten Hollywood-Schinken basiert auf historischen Gegebenheiten: menschliche Errungenschaften, Naturkatastrophen, politische Sternstunden, fürchterliche Kriege etc. Somit könnte man diese Blockbuster auch easy als Dokumentationen abdrehen. Fakten gibt es schliesslich ohne Ende. Doch mit Dokumentationen erreicht man nicht die
breite Masse. Gleichzeitig lässt sich aus diesem Umstand eine grossartige Erkenntnis für das Storytelling ableiten: Emotionen verstecken sich überall.
Selbstverständlich ähnelt der Büroalltag im Normalfall keinem Kriegsfeld. Doch die Gemeinsamkeit bleibt: Wo Fakten sind, auf deren Grundlage wichtige Entscheide gefällt und Taten erbracht werden, versteckt sich immer auch eine Gefühlswelt. Die Aufgabe des Business-Storytelling ist es, diese Gefühlswelt anzusprechen. Jeder tut sich schwer, aufrichtiges Interesse für die Bilanzzahlen aufzubringen. Wenn die Zahlen dich aber an ein Erlebnis erinnern, auf das du mit Stolz zurückschaust und von dem du gerne erzählen möchtest, wird dein Interesse geweckt.
Gelungenes Business-Storytelling nimmt sich genau dies zum Ziel. Wichtige Tatsachen werden durch Geschichten erlebbar gemacht. Interesse wird geweckt und den Zuhörenden fällt es ausserdem leichter, sich das Gesagte zu merken. Wir erinnern uns besonders gut an Gefühle. Aus diesem Grund würde es dir am Ende der Woche weitaus leichter fallen, mir von der lustigen Mittagspause am Dienstag zu erzählen, als vom Inhalt der ersten Mail, die du am Freitag verschickt hast. Wenn du dir dieser Tatsache bewusst bist, dann kannst du dir das beim Storytelling zunutze machen.
Storytelling wirkt, wenn es Emotionen und Fakten verbindet. Nicht laut. Nicht künstlich. Sondern bewusst eingesetzt. Genau darum geht es in unserem Buch „Erzähl’s doch der Parkuhr. Oder lerne, wie Storytelling funktioniert“: Geschichten nutzen, um Inhalte verständlich, erinnerbar und relevant zu machen. Wer das beherrscht, überzeugt nicht mit Show, sondern mit Wirkung.
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