Was können wir von einem der erfolgreichsten Geschichtenerzähler unserer Zeit für strategisches Storytelling lernen? Eine ganze Menge. Denn Stephen King weiss nicht nur, wie man Menschen das Fürchten lehrt, sondern vor allem, wie man sie von der ersten Seite an in eine Geschichte hineinzieht und nicht mehr loslässt. Wir schauen uns deshalb genauer an, was seine Geschichten so wirkungsvoll macht – und was wir davon für unser eigenes Storytelling mitnehmen können.
Wer in jungen Jahren Stephen Kings «ES» gelesen hat, sieht Clowns danach vermutlich mit etwas anderen Augen. Da können sie noch so lustige Luftballon-Dackel zwirbeln – ein paar Meter Sicherheitsabstand fühlen sich plötzlich gar nicht mehr so übertrieben an.
Stephen King schafft es wie kaum ein anderer, uns in Welten zu entführen, in denen das vermeintlich Normale plötzlich alles andere als normal ist. Selbst ein knuffiger Bernhardiner – eines der treusten und schönsten Markenzeichen der Schweiz – wird in «Cujo» zur Ausgeburt der Hölle. Und abgelegene Hotels wirken seit «The Shining» auch nicht mehr ganz so idyllisch.
Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ziehen uns seine Geschichten immer wieder in ihren Bann.
Der Grund dafür ist ziemlich einfach: Stephen King ist ein sagenhafter Storyteller.
Was ihn dazu macht, wie seine eigene Lebensgeschichte sein Schreiben geprägt hat und was wir von ihm für strategisches Storytelling lernen können, schauen wir uns jetzt genauer an. Wenn Du Dich traust. 😉
Stephen Kings Lebensgeschichte: ein amerikanischer (Alb)Traum
Dass viele Geschichten von Stephen King im US-amerikanischen Bundesstaat Maine spielen, ist kein Zufall. Dort wurde er 1947 geboren und dorthin kehrte seine Familie nach mehreren Umzügen zurück. Seine Eltern trennten sich, als King noch ein Kleinkind war, woraufhin seine Mutter ihre beiden Söhne allein grosszog. Zusätzlich kümmerte sie sich um die Grosseltern und arbeitete nach deren Tod in der Küche einer psychosomatischen Klinik.
Schon im Alter von sieben Jahren begann King, seine ersten Geschichten zu schreiben. Er liebte das Kino, insbesondere Fantasy- und Science-Fiction-Filme, und verschlang Bücher. Seine Leidenschaft für Geschichten war also schon früh vorhanden – genauso wie sein Hang zum Gruseligen und Abnormalen.
Doch auch Kings eigenes Leben hatte dunkle Seiten. Bereits in jungen Jahren musste er erfahren, dass die Realität manchmal grausamer sein kann als jede erfundene Geschichte. Sein bester Kindheitsfreund wurde vor seinen Augen von einem Zug erfasst. Später kämpfte King selbst mit Alkohol- und Kokainabhängigkeit und durchlief mehrere Entzüge. Auch ein schwerer Autounfall prägte sein Leben.
Diese Erfahrungen hinterliessen Spuren und dürften auch seine literarischen Welten geprägt haben, in denen sich ein scheinbar normaler kleinstädtischer Alltag immer wieder in einen handfesten Albtraum verwandelt.
Dabei verlief auch seine Karriere als Schriftsteller zunächst alles andere als glamourös. King heiratete früh, wurde 1970 zum ersten Mal Vater und arbeitete als Englischlehrer. Um seine Familie zu ernähren, jobbte er zusätzlich in einer Wäscherei. In der wenigen freien Zeit, die ihm blieb, schrieb er Kurzgeschichten, von denen einige veröffentlicht wurden.
Der grosse Durchbruch folgte 1974 mit «Carrie».
Was wir von Stephen King fürs Storytelling lernen können
Für strategisches Storytelling sind vor allem Kings frühere Werke spannend. Natürlich lässt sich einiges davon lernen, wie er Spannung aufbaut, seinen Spannungsbogen immer weiterzieht und ihn mit voller Wucht zuschnappen lässt – und das nicht nur einmal, sondern immer wieder bis zum grossen Finale.
Mindestens genauso interessant sind aber seine Protagonist und vor allem die Welten, in denen seine Geschichten spielen.
Denn viele seiner bekanntesten Geschichten beginnen erstaunlich gewöhnlich.
Wir befinden uns in einer kleinen Stadt, wie es sie überall geben könnte. Man kennt die Nachbarn und den Trödelladen an der Ecke, weiss, wo die «Reichen» wohnen und welche Orte man nach acht Uhr abends lieber meidet. Mit dem Postboten ist jeder per Du, sonntags geht man in die Kirche und die örtliche Polizeistation beschäftigt sich mit Ruhestörungen, entlaufenen Katzen und der gelegentlichen Prügelei in der Dorf-Disco.
King erschafft eine Welt, die uns vertraut vorkommt.
Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob wir selbst in einer Grossstadt, einer Kleinstadt oder weit draussen auf dem Land leben. Wir können uns diese Welt vorstellen und uns in ihr zurechtfinden. Dasselbe gilt für seine Figuren: Familie, Freundeskreis und alltägliche Probleme machen sie nahbar und sorgen dafür, dass wir uns schnell in ihre Situation hineinversetzen können.
Und dann kippt die Normalität.
Ein Clown beginnt, Menschen auf grausame Weise umzubringen. Ein Bernhardiner läuft Amok. Bereits beerdigte Haustiere tauchen plötzlich wieder auf.
Genau dieser Kontrast macht einen Teil der Wirkung seiner Geschichten aus.
Was bedeutet das für strategisches Storytelling?
Die wichtigste Erkenntnis lässt sich ziemlich einfach übertragen: Gestalte die Bühne Deiner Geschichte so, dass sich Dein Publikum darin wiederfinden kann.
Je näher Deine Story an der Lebensrealität Deiner Zuhörerschaft liegt, desto leichter fällt es ihr, sich mit der Geschichte und ihren Figuren zu identifizieren. Und genau diese Nähe kannst Du auch im strategischen Storytelling nutzen, um einen Bezug zu Deinem Produkt, Deiner Dienstleistung oder Deinem Projekt herzustellen.
Du brauchst also nicht zwingend eine spektakuläre Fantasiewelt, um eine starke Geschichte zu erzählen. Manchmal ist eine vertraute Ausgangssituation sogar wirkungsvoller – solange Du daraus eine Geschichte entwickelst, die Dein Publikum mitnimmt.
Ein mordender Clown ist dafür übrigens optional. 😉
Was bleibt von Stephen King?
Selbst wer nur einen kleinen Teil von Stephen Kings unzähligen Werken gelesen hat, erkennt schnell, was seine Geschichten so wirkungsvoll macht. Er schafft es, Leser in vertraute Welten hineinzuziehen, sie dort ankommen zu lassen – und diese vermeintliche Normalität anschliessend Stück für Stück aus den Fugen geraten zu lassen.
Genau darin steckt eine wichtige Lektion für strategisches Storytelling: Schaffe eine Bühne, die Dein Publikum kennt, gib ihm Figuren, mit denen es sich identifizieren kann, und erzähle von dort aus Deine Geschichte.
Denn bevor Menschen einer Geschichte folgen können, müssen sie sich erst einmal in ihr wiederfinden.
Wie Du genau das für Deine eigenen Geschichten nutzen kannst, zeigen wir Dir auch in unseren Storytelling-Workshops Storywerke
Willst auch Du Geschichten verkaufen?
Blog