Gute Vorträge stehen und fallen mit der Perspektive

Michael Bäuerle
28. Mai 2020

Der eine redet für sich – der andere fürs Publikum.

Wenn du im Geiste mal alle Vorträge durchgehst, die du dir bis dato freiwillig angehört hast, dann erinnerst du dich wahrscheinlich fast nur an die guten. Also an die Vorträge, die dich mitgerissen und dir den erwarteten Mehrwert geboten haben. Da spielt es keine Rolle, ob du live dabei warst oder ob du dir einen Key-Note-Speaker auf YouTube angesehen hast. Allerdings wird dir leider auch auffallen, dass die guten Vorträge im Vergleich zu den schlechten die absolute Minderheit darstellen. Daran ist nicht das Thema schuld, sondern die Vortragsperspektive des Referenten. Die «Perspektiv-Irrtümer», denen so viele Vorträge zum Opfer fallen, stelle ich dir hier etwas genauer vor.

Die zwei grundsätzlichen Vortrags-Perspektiven

1. Du bist für dein Publikum da.

Als leidenschaftlicher Leser des FolienWerke-Blogs ist dir DIE Kernbotschaft für gute Präsentation schon häufiger untergekommen:

Das Publikum ist die Sonne, um die all deine Bemühen kreisen.

Und darin liegt auch die einzig vernünftige Vortragsperspektive seitens des Referenten.

2. Das Publikum ist wegen dir da.

Genau hier liegt die Wurzel so vieler mittelmässiger bis grotten-schlechter Vorträge begraben. Leider gibt es ohne Ende Redner, die glauben, es gehe bei ihren Vorträgen in erster Linie um sie selbst, um ihre Arbeit, um ihr Fachwissen und um das, was sie von sich geben. Das ist auch ansatzweise verständlich. Schliesslich ist das Publikum anwesend, um vom Redner etwas zu lernen. Das ist ein erhabenes Gefühl. Doch genau aus dieser Perspektive heraus entstehen drei kontraproduktive Mindsets.

Die Irrtümer der egozentrischen Vortragsperspektive

1. Du bist der Mittelpunkt

Falsch. Dein Publikum ist King! Wenn du auf der Bühne stehst, dann tust du das, um deinen Zuschauern zu dienen. Das hört sich zwar dramatisch an, aber im Grunde ist es tatsächlich so. Du bist in diesem Moment Dienstleister, dessen Service es ist, Wissen angemessen und verständlich zu vermitteln.

Als Gegenleistung für deinen Service erwartest du auch etwas von deinen Zuhörern. Sie sollen dein Produkt kaufen, dein Projekt unterstützen, deinen Service buchen, usw. Das kannst du auch gerne direkt sagen, indem du zum Beispiel deinen Vortrag mit einem CTA beendest.

2. Das Publikum hängt an deinen Lippen

Sorry, aber das ist leider nicht so. Auch wenn die vielen Menschen im Saal vielleicht sogar Eintritt bezahlt haben, um dir zuzuhören, heisst es noch lange nicht, dass sie das auch tun. Sicherlich ist es die Intention, konzentriert zuzuhören. Doch trotz des lobenswerten Ansatzes geht unsere Aufmerksamkeit nur zu gerne auf Wanderschaft. Vor allem, wenn du das Interesse deines Publikums nicht weckst. Das gilt ganz besonders dann, wenn du virtuell mit deinem Publikum kommunizierst. Das Internet bietet nämlich zig weitere Ablenkungsmöglichkeiten, mit denen du konkurrieren musst.

Was hier hilft, ist es, gleich zu Beginn deines Vortrags Spannung aufzubauen. Lass dein Publikum schon am Anfang wissen, wohin die Reise inhaltlich geht. Gute «Aufmerksamkeits-Fänger» zu Beginn deines Vortrags sind zum Beispiel direkte Interaktionen mit dem Publikum: Eine lustige, themenrelevante Anekdote, ein kurzes Video, ein emotionales und aussagekräftiges Bild, usw.

3. Desto länger der Vortrag, desto besser fürs Publikum

Nö. Auch hier muss ich dir leider einen Strich durch die Rechnung ziehen. Die Rechnung sieht nämlich so aus: Desto länger der Vortrag, desto gelangweilter ist dein Publikum. Nun verhält es sich mit der Zeit leider so, dass sie subjektiv wahrgenommen wird. Du hast wahrscheinlich das Gefühl, dass die Minuten deiner Redezeit geradezu dahinrasen. Dein Publikum nimmt das aber völlig anders wahr.

Tipp: Wenn du bewusst erleben möchtest, wie langsam die Zeit für Zuschauer vergehen kann, dann schau dir ein populäres YouTube-Video an. Darin vorkommende Werbespots können nach fünf Sekunden übersprungen werden. Und diese fünf Sekunden fühlen sich super lange an. Als Zuschauer ist man nämlich gerne ungeduldig. Und für ungeduldige Menschen zieht sich die Zeit oft wie ein ausgelutschtes Kaugummi.

Bei einem Live-Vortrag sind deine Zuschauer gewiss toleranter, doch strapazieren solltest du dein Zeitlimit auf keinen Fall. Da hilft es auch nicht, wenn du den zu dichten Informationsinhalt durch eine erhöhte Redegeschwindigkeit ausgleichst. Im Gegenteil! Mit diesem «Trick» verlierst du die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer garantiert im Handumdrehen.

Kürze stattdessen deinen Vortragsinhalt auf das absolut Notwendige und bleibe innerhalb deiner geplanten Redezeit. Wenn jemand ins Detail gehen möchte, kannst du auf die Q&A-Session nach dem Vortrag verweisen, Handouts verteilen, etc.

 

Siehst du das mit der Vortragsperspektive auch so? Hast du eventuell noch Fragen oder weitere Ansichtspunkte zum Thema? Ich freu mich schon auf unseren Kommentar-Austausch.

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