Präsentations-Minimalismus: Die Takahashi Methode - #35

Michael Bäuerle
09. Februar 2021

Ein Wort pro Folie. In Schwarz/Weiss gehalten. Mehr nicht.

Wenn du der Meinung bist, dass die bereits beschriebene Lessig-Methode in Sachen Foliengestaltung die Krone des Vortrags-Purismus darstellt, dann hast du wahrscheinlich noch nichts von Masayoshi Takahashi gehört. Seine Präsentationsmethode: Wenige Worte pro Slide – in grossen schwarzen Lettern auf weissem Hintergrund. Das war es auch schon. Keine Bilder. Keine Grafik. Keine Farben. Keine Clip-Art und schon gar keine Videos. Nichts. Nothing. Am besten nur ein Wort pro Folie. Takahashi ist minimalistische Foliengestaltung in Reinform.

Ein Wort pro Folie? Wie kommt man auf sowas?

Wie so oft im Leben, diente auch bei Masayoshi Takahashi die Not als kreative Triebfeder. Der japanische Programmierer wurde vor ein paar Jahren spontan gebeten, einen kurzen Vortrag zu halten. Da er zu dem Zeitpunkt aber weder PowerPoint noch ein Grafikprogramm zu Verfügung hatte, machte er aus der Not eine Tugend. In fast übergrossen, dicken, schwarzen Buchstaben schrieb er auf die Eröffnungsfolie:

«Ich habe kein PowerPoint»

Takahashi wollte trotz der begrenzten Gestaltungsmittel eine einprägsame, dynamische Folienpräsentation zum Besten geben. Er besann sich auf die wichtigsten Kernpunkte seiner Folien-Präsentation. Pro Slide schrieb er dann ein Wort auf, dass die Essenz des jeweiligen Vortragabschnitts vermittelte. Allein die Tatsache, dass du diesen Artikel liest, beweist, dass diese, aus der Not geborene Präsentation ein voller Erfolg war. Die Takahashi-Methode war geboren!

Die Vorteile der Takahashi-Methode

Die grossen Buchstaben, die klare Aussage und die Schwarz/Weiss-Komposition sind im Grunde nichts anderes als Zeitungsüberschriften. Diese werden von unserem Gehirn weniger als Text registriert, sondern eher als Bild. Wir müssen also nicht lesen, sondern nehmen lediglich wahr. Dein Publikum wird also nicht von komplexen Folieninhalten abgelenkt und kann deinem eigentlichen Vortrag aufmerksam folgen.

Wie bei der Lessig-Methode, kommen auch hier eine beachtliche Anzahl Folien zusammen. Doch durch den überschaubaren Content und durch die rasche Abfolge der Folien entsteht so eine Vortragsdynamik, die Langeweile bei deiner Zuhörerschaft zum Fremdwort werden lässt.

Du selbst musst bei der Foliengestaltung nach der Takahashi-Methode deinen Inhalt wieder und wieder kürzen. Am Ende des Vorgangs hast du dann aber einen Vortrag zur Hand, der unglaublich prägnant, zielgerichtet und kraftvoll ist.

Die einzelnen Folien dienen dir beim Vortrag selbst als idealer Leitfaden. Du hast mit jeder neuen Slide das perfekte Schlüsselwort parat!

Die Nachteile der Takahashi-Methode für Folienpräsentationen

Desto komplexer dein Präsentationsthema ist, desto wichtiger wird es, Vortragsinhalte durch Bilder oder Grafiken verständlich zu machen. Und somit stösst du mit der Takahashi-Methode schnell an die Grenzen des Machbaren.

 

Und nun bist du gefragt: Hast du die Takahashi Methode bereits gekannt oder sogar schon bei deinen Folienpräsentationen angewandt? Was hältst du grundsätzlich von dieser minimalistischen Gestaltungsart für PowerPoint Slides?

Dass du in der Kommentarbox gerne ausführlicher antworten darfst als auf einer Takahashi-Slide, versteht sich sicherlich von selbst. Ich bin schon auf deinen Input gespannt.

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