Redestrategien helfen, dein Publikum zu bewegen

Michael Bäuerle
13. Oktober 2020

Bei einer packenden Rede spielt der Zufall keine Rolle.

Jeder gute Speaker – sei es in der Politik, Wirtschaft oder im Rahmen einer Privatfeier – verfolgt ein klar definiertes Ziel: Es gilt, das Publikum zu bewegen. Und zwar im Optimalfall hin zur Anerkennung und/oder Umsetzung der Kernbotschaft. Dies gelingt dir am ehesten, wenn deine Rede einer zuvor ausgearbeiteten Strategie folgt. Du musst dir also schon zu Beginn der Präsentationsvorbereitung darüber im Klaren sein, was du erreichen, beziehungsweise welche Emotionen du auslösen möchtest. Willst du unterhalten, überzeugen oder wachrütteln? Hier ein paar Gedankengänge und Ansätze, wie du eine gute Redestrategie entwickelst.

Sei dir deiner Rolle als Redner bewusst

Abhängig vom Rahmen der Rede, schlüpfst du als Vortragender in eine ganz bestimmte Rolle. So wirst du vielleicht zum kurzzeitigen Alleinunterhalter auf einer Hochzeitsparty, zum Repräsentanten einer Volksbewegung oder zum Vorgesetzten, der eine Marschrichtung diktiert. Das Publikum nimmt dich nicht als «du selbst», sondern in dieser vorbestimmten Rolle wahr. Dementsprechend reagiert es auf dich. Wenn du zum Beispiel als Redensführer einer Gewerkschaft vor den eigenen Mitgliedern sprichst, dann tust du das als «einer von uns». Wenn du die Belange der Gewerkschaft aber dem Firmenvorstand darlegst, dann trittst du als vermeintlicher Widersacher auf und musst echte Überzeugungsarbeit leisten.

In jedem Fall musst du dir die Tatsache vor Augen halten, dass du in dem Moment, wo du als Redner die Bühne betrittst, eine Machtposition ausfüllst. Du redest und die anderen hören zu – Du stehst oben und die anderen sitzen dir zu Füssen. Jetzt gilt es, den richtigen Ton zu treffen.

Eigene Standpunkte aufwerten – Gegenargumente abwerten

So lässt sich die wohl gängigste Redestrategie grob zusammenfassen. Wie so etwas perfekt gelingt, das kannst du am Beispiel guter Politiker erkennen. Politische Reden – ganz besonders im Wahlkampf – sind immer ein gewisser Balanceakt. Die Redestrategie sollte in einer Demokratie so ausgelegt sein, dass die eigenen Standpunkte ins Rampenlicht gesetzt werden, aber ohne dabei die Opposition in Grund und Boden zu reden. Es kann schliesslich gut sein, dass man nach dem Wahltag mit der gegnerischen Partei als Koalitionsregierung nicht nur Kompromisse eingehen, sondern diese dann den eigenen Wählern als Erfolge verkaufen muss.

Hier ein paar Beispiele, wie du deine Standpunkte aufwerten kannst:

  • Stell dich als «einer von euch» hin, und untermaure das Wir-Gefühl: «Wir wollen im Prinzip alle dasselbe», «Wir sind doch eine grosse Familie», «Die Lebensqualität aller muss hier erste Geige spielen», usw.
  • Hebe die für dein Anliegen positiven Seiten hervor und kopple diese mit positiven Werten wie beispielsweise: Familie, Wohlstand, Freiheit, Gerechtigkeit, gleiches Stimmrecht, Einigkeit, Stärke, usw.
  • Verleihe Zeugen und Aussagen, die deine These unterstützen, zusätzlich an Glaubwürdigkeit.

Du kannst im Sinne dieser Redestrategie auch nachteilige Punkte abschwächen:

  • Indem du z. B.: anhand gemachter Fehler gelernt hast, dass irren menschlich ist; du auf unabwendbare Schicksalsschläge verweist; usw.
  • Alternativ kannst du solche Stolperstellen auch ganz verschweigen.
  • Um unliebsamen Problemen oder Thesen von vornehinein die Bühne zu entziehen, kannst du diese direkt tabuisieren. Z. B.: «Diese Ausrichtung zählt zu den Grundfesten der Firma und ist unantastbar.»
  • Zeugen und Aussagen der Gegenpartei diskreditieren: «Dass Herr XXX das letzte Projekt mit seiner Inkompetenz in den Sand gesetzt hat, ist ein offenes Geheimnis.»
  • Fehlentscheidungen des anderen aufblasen: «Da sind wir nur knapp dem totalen Ruin entkommen!»

Wie du siehst, sind deiner Kreativität bei beiden Redestrategie-Ausrichtungen kaum Grenzen gesteckt. Dennoch bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es deutlich wirksamer ist, die eigenen Standpunkte zu verstärken, anstatt kontroverse Ansichten schlechtzureden.

Starke Kernaussagen stehen im Mittelpunkt der Redestrategie

Ein Klassiker gefällig? Wie wäre es mit der berühmten Aussage von J. F. Kennedy «Ich bin ein Berliner!». Dieser eine Satz aus der Rede des ehemaligen US-Präsidenten in West-Berlin ist noch heute in unseren Köpfen verankert. Was man vom Rest der Ansprache kaum behaupten kann. Und das ist auch gar nicht so wichtig, denn dieser eine Satz fasst die Kernbotschaft der Rede perfekt zusammen: Die USA versorgt das damalige Westberlin, steht im festen Schulterschluss zu West-Deutschland und bezieht somit gegenüber der Sowjetunion Stellung.

Was du daraus mitnehmen kannst, ist die Erkenntnis, dass eine knackige Kernbotschaft in den Köpfen deiner Zuhörer hängen bleibt. Ergo musst du der Ausarbeitung deiner Kernaussage besonderes Gewicht verleihen. Und dann solltest du diese Aussage strategisch in deine Rede einbauen. Sei dies als Paukenschlag zum Abschluss, als starker Übergang zum Hauptteil deiner Rede oder auch als Wiederholungen, die du gekonnt an den richtigen Stellen fallen lässt. Hier musst du allerdings aufpassen, dass du es nicht übertreibst. Sonst verliert deine Kernaussage schnell an Bedeutung und wird zum «Spam».

Von Redeprofis lernen

Wenn du dir bezüglich deiner Redestrategie nicht sicher bist, dann schau dir einfach mal ein paar Reden von echten Profis an. Um in Amerika zu bleiben: Barack Obama ist meines Erachtens ein echtes Positivbeispiel. Auch der jetzige US-Präsident bietet reichlich Anschauungsmaterial wie man viel redet, wenig sagt, aber damit dennoch erstaunlich viele Menschen überzeugt.

Eine weitere – noch bessere – Option, sind Rhetorik-Workshops. Hier eröffnen dir gute Rhetorik-Coaches praktisch eine komplette Werkzeugkiste, mit der du nicht nur deine Redestrategie ausrichten kannst, sondern dann auch auf der Bühne Rock-Star-mässig ablieferst.

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