Scrollytelling: digitales Storytelling auf Steroiden

Michael Bäuerle
03. Februar 2022

Du scrollst dich durch eine multimediale Geschichte

«Snow Fall – The Avalanche at Tunnel Creek» ist der Name einer Story, welche die New York Times im Jahr 2012 veröffentlichte. Das ist an und für sich noch nichts Besonderes, doch die Art und Weise, wie diese Story präsentiert wurde, war zu der Zeit bahnbrechend. Die Leser wurden zu einer Landingpage geführt, auf der man sich durch die Geschichte scrollen konnte. Bilder, Videos, Text und Animationen greifen mit jedem Drehen des Scroll-Rädchens ineinander über. Binnen Sekunden bist du völlig gefesselt und wirst Teil dieses erschreckenden Ereignisses. Du erlebst die Story häppchenweise in deiner Geschwindigkeit. Du liest, hörst und siehst den Content – alles für sich – alles auf einmal.

Scrollytelling hat seitdem unglaublich beeindruckende Blüten getrieben. Und dieser Form des Geschichtenerzählens kann sich heute jeder bedienen. Auch du! Wie Scrollytelling funktioniert, für welche Projekte es sich besonders eignet und welche Tools es gibt, all das erfährst du in diesem Blogbeitrag. Und ein paar geniale Scrollytelling-Beispiele findest du natürlich auch.

 Scrollytelling ist das multimediale Erleben einer Geschichte

Eine gute Geschichte zu erzählen, ist das eine. Eine Geschichte gut zu erzählen, das andere.

Letzteres weist ganz besonders dann ein paar zusätzliche Herausforderungen auf, wenn du deine Story nicht persönlich erzählst, sondern «nur» aufschreibst. In Form eines Blogbeitrags, eines Zeitungsartikels oder sogar eines Buches. Wenn dein Geschriebenes ausschliesslich analog präsentiert wird, dann bleiben dir im besten Fall ein paar aussagekräftige Bilder, um für zusätzliche Emotionen zu sorgen.

Digital sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Mit etwas Knowhow, den richtigen Tools und/oder Unterstützung von Leuten, die sich mit Präsentationen, Storytelling, Erklärvideo-Produktionen, etc. auskennen (aka: Wir!), kannst du deine Story zu einem multimedialen Happening machen.

Und genau das ist Scrollytelling! Die Leserin oder der Leser werden auf eine Landingpage geführt, die einzig deiner Story vorbehalten ist. Dort erwartet die Besucher eine Reise durch deine Geschichte. Mit jedem Drehen des Scroll-Rädchens bewegt man sich in der Story vorwärts oder – wenn man möchte – zurück. Die User bestimmen die Reisegeschwindigkeit. Das ist beim Scrollytelling wichtig, denn es gibt jede Menge zu entdecken.

Was User beim Scrollytelling erwartet

Um es zusammenzufassen: Alles! Und zwar Bilder, Text, GIFs, Videos, Grafiken, Animationen und Audio-Files. Der Trick hierbei ist es, nicht völlig über Bord zu gehen und die Besucher mit einem multimedialen Synapsen-Zirkus zu überfordern. Beim Scrollytelling gilt es, sich auf eine Erzählform zu konzentrieren und diese durch andere Mittel zu unterstützen. Als Beispiel eignet sich die Lawinen-Story der New York Times «Snow Fall – The Avalanche at Tunnel Creek» von John Branch.    

Auf der Seite empfängt uns das GIF einer winterlichen Gebirgslandschaft. Grau, kalt. Der Wind pfeift über den Kamm und treibt Schnee vor sich her. Fast unscheinbar wirkt der Titel dieser Story auf der rechten Seite des Bildes:

 Was sich nun mit jedem Scroll eröffnet, ist die textlastige Erzählung eines tragischen, wenn auch vorhersehbaren Unglücks. Eine Gruppe amerikanischer Ski- und Snowboard-Profis wagen sich nach heftigem Schneefall an eine gesperrte Abfahrt namens «Tunnel Creek», die für ihre Lawinengefahr berüchtigt ist. Die Verlockung des unberührten Pulverschnees, die Routine und das Ego jedes Einzelnen, Gruppenzwang sowie schiere Unvernunft führen letztendlich zu einem tragischen Ende, bei dem mehrere Teilnehmer ums Leben kommen.

Die Story ist in sechs Parts unterteilt. Bilder, kurze Video-Clips, Interviews mit den Überlebenden, Mitschnitte der Notrufe, Grafiken, Bilder und natürlich der hervorragend geschriebene Text erwecken die doch recht lange Story zum Leben. Ich wollte eigentlich nur mal reinschnuppern. Keine Chance! Ich konnte nicht anders, als Snow Fall an einem Stück bis zum Ende zu verfolgen. Kein Wunder, dass die Story 2012 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde.

Weitere geniale Beispiele für Scrollytelling

Eine kurze Warnung vorneweg: Gutes Scrollytelling ist ein echter Zeitfresser! Es macht aber einen Haufen Spass und ist natürlich auch lehrreich, was das mitunter stundenlange Scrollen durch interessante Geschichten absolut rechtfertigt. In diesem Sinne: Enjoy:

  1. The Walking Dead: Die Verwandlung vom Komparsen zum Zombie – sorry: zum Walker
  2. Onkel Willi – die Geschichte einer deutschen Strassenmusiker-Legende
  3. The Boat erzählt die Story von Mai und ihrer Flucht aus dem kommunistischen Nachkriegs-Vietnam ab 1975.

Wenn du etwas im Netz surfst, dann findest du zig Scrollytelling-Beispiele. Von simple bis too much, von lustig bis ergreifend, von einfachen Animationen bis hin zum multimedialen Spektakel.

Und natürlich lässt sich Scrollytelling auch als starkes Marketing-Tool verwenden, wie zum Beispiel das von Kalso – dem Wellness-Schuh.

Für welchen Content ist Scrollytelling sinnvoll?

Sobald eine Thematik umfangreich, faktisch und/oder kompliziert ist, kann Scrollytelling eine gute Alternative zu herkömmlichen Storytelling-Methoden sein. Schliesslich kannst du den Inhalt extrem auflockern, portionieren und verbildlichen. Deine Leserinnen und Leser haben die Möglichkeit, sich den Stoff in ihrer Geschwindigkeit einzuverleiben. Sie können – abhängig vom Layout – frei wählen, ob sie beispielsweise einen Clip, eine Animation oder eine Audiodatei zum Text abspulen möchten. Die gebotenen Informationen und Fakten werden auf verschiedenen Wegen verdeutlicht, was das Begreifen nachdrücklich vereinfacht. Und – last but not least – erwecken kurze Videos sowie gute Bilder und Grafiken reichlich Emotionen.

Scrollytelling passt unter anderen für folgende Projekte:

  • Lange journalistische Artikel
  • Brand Storytelling
  • Produkt-Seiten
  • Portfolios
  • Online-Storys für Social Media
  • Timelines

 Zwei Tools zum Kreieren einer Scrollytelling-Geschichte

Das Schwergewicht unter den Scrollytelling-Tools ist sicherlich «Shorthand». Mit dieser relativ leicht zu benutzenden Plattform für Storytelling sind bereits zahlreiche, teils epische Scrollytelling-Geschichten wie «Snow Fall» entstanden. Dennoch bedarf es etwas Knowhow und Erfahrung, um mit Shorthand effektiv zu arbeiten.

«Readymag» ist eine super Alternative. Hier kannst du dank zahlreichen Templates, Fotos, Icons, Fonts, usw. recht einfach eine coole, trendige Scrollytelling-Geschichte designen. Ein beeindruckendes Beispiel ist das Portfolio des japanischen Künstlers Kazumasa Nagai.

Fakt ist, dass du mit Scrollytelling ein wahnsinnig cooles, divers einsetzbares und effektives Storytelling-Werkzeug in der Hand hast. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, wir dich bei der Entwicklung deiner Scrollytelling-Geschichte unterstützen können oder du noch wertvolles Input zum Thema auf Lager hast, dann melde dich. Via Kommentarbox, Mail, Telefon, Brieftaube .... egal. Wir freuen uns schon darauf!

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