Virtuelle Kommunikation Teil 3: Die Kraft deiner Stimme

Michael Bäuerle
31. März 2020

Die Stimme ist dein kraftvollstes Tool für die virtuelle Kommunikation.

Die technischen Komponenten sind die eine Seite, mit der die virtuelle Kommunikation steht und fällt. Die andere Seite bist du selbst. Ganz besonders deine Stimme. Wenn du deine Botschaft nicht packend transportierst, geht die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer flöten. Wie du deine Stimme am besten während eines virtuellen Austauschs einsetzt, auf was du achten solltest und weitere Tipps findest du in diesem Blogbeitrag.

Deine Stimme gibt den Ton an

Sei dir bewusst, dass du bei der virtuellen Kommunikation auf ein wichtiges Hilfsmittel zum grössten Teil verzichten musst: Die Körpersprache. Selbst wenn du ein Video-Meeting hältst, sehen dich deine Zuhörer nur in einem kleinen Bild. Und sie sehen obendrein nur dein Gesicht oder deinen Oberkörper. In diesem Fall kannst du zwar dein Gesagtes durch Mimik und Gesten untermalen; doch im Endeffekt ist es allein deine Stimme, die deine Zuschauer bewegt. Mit ihr musst du dein Publikum binden und Autorität demonstrieren.

Punkt #1: Die Aussprache

Eine klare, deutliche Artikulation ist die Grundfeste guter Kommunikation. Das gilt bei Gesprächen von Angesicht zu Angesicht ebenso wie bei der virtuellen Verständigung. Solltest du also auf verbaler Ebene eher auf dem «Friedhof der Nuscheltiere» unterwegs sein, dann musst du hier etwas Zeit zum Üben investieren.

Für eine gute Aussprache ist es nötig, all deine Artikulations-Werkzeuge einzusetzen: Lippen, Zunge, Kiefer, Zähne … alles! Du musst es deinen Zuhörern einfach machen, dich zu verstehen. Nuscheln gilt nicht! Schon gar nicht bei der virtuellen Kommunikation.

Hinter einer guten Aussprache steckt Arbeit. Du musst nämlich bewusst deinen ganzen Mund einsetzen, um die Worte klar und deutlich auszusprechen. Das gilt erst recht, wenn du deine Online-Präsentation nicht in deiner Muttersprache hältst.

Hier ein paar Tipps für eine deutliche Artikulation:

  • Schalte ein bis zwei Gänge deiner Redegeschwindigkeit zurück.
  • Sprich Wörter mit drei oder mehr Silben besonders deutlich aus. Zieh sie etwas in die Länge. Z. B.: Nusch-el-tier, Tech-no-lo-gie, Kom-mu-nika-tion, usw.
  • Zum Üben und zum Überprüfen, ob du gut artikulierst, stell dir einen Spiegel neben den Bildschirm und schau dir beim Sprechen zu. Wenn sich dein Mund beim Sprechen nur einen Spalt weit öffnet, dann nuschelst du wahrscheinlich.

Punkt #2: Optimiere den Ton deiner Stimme

Mit anderen Worten: Höre dich für dein Publikum so an, dass du zugänglich und clever erscheinst.

«Yoooo, Alda. Alles im Lack odder waaas?»

Wenn du dir einen coolen «Street-Slang» angewöhnt hast, der im Skate-Park gut rüberkommt, dann ist das OK. Im Skate-Park. Im Rahmen eines virtuellen Meetings ist das allerdings völlig kontraproduktiv. Wer mit einer leicht kratzigen, dafür aber lässig langgezogenen und super chilligen Tonlage sein Publikum über Stunden hinweg von etwas überzeugen möchte, hat schlechte Karten. Sprich also nicht flach vom hinteren Teil deines Halses heraus. Eigne dir lieber eine starke, klare Sprechtechnik an. Atme vom Zwerchfell ausgehend und schick deine volle Stimme nach vorne raus. Stell dir vor, dass du deine Stimme in einem klaren Bogen zu deinem Gesprächspartner schickst. Egal, ob dieser direkt vor dir steht oder – dank virtueller Kommunikation – am anderen Ende der Welt.

Punkt #3: Sprich auf den Punkt

Wenn du das Ende eines Satzes erreichst, senke deine Stimme. Es sei denn, es handelt sich um eine Frage oder einen Ausruf.

Warum das Sinn ergibt, hast du höchstwahrscheinlich schon oft selbst erfahren. Wenn dein Gesprächspartner zum Satzende hin mit der Stimmlage oben bleibt, entsteht automatisch das Gefühl, dass da jetzt noch was kommt. Wahrscheinlich bist du dir in diesem Moment auch nicht sicher, ob das jetzt eine Frage war oder nicht.

Fakt ist, dass Redner, die mit der Stimmlage am Satzende oben bleiben, immer einen Hauch Unsicherheit versprühen. So, als wären sie sich selbst nicht sicher ob das eben Gesagte Berechtigung hätte. Überzeugen geht auf jeden Fall anders.

Tipp: Lange Sätze verleiten uns gerne, nicht auf den Punkt zu sprechen. Halte dir das mal vor Augen:

«Blablabla Blablabla Blablabla Blablabla, und dann, blabla blabla blabla blabla worauf dann noch blablabla blabla blabla folgt und das in blablabla blabla übergeht, und weil BlaBla noch nicht fertig ist.»

Wird dieser Satz aufgesagt, steigert man sich quasi in die Auflistung der einzelnen Satzteile rein. Anstatt am Satzende die Stimme zu senken, schiesst man praktisch über das Ziel hinaus und bleibt mit der Stimme oben. Ergo: Nutze kürzere Sätze.

Noch ein guter Tipp ist es, beim Sprechen deine Hände mit einzubeziehen. Wenn du am Satzanfang oben anfängst und am Satzende unten aufhörst – und das mit deinen Händen simultan verbildlichst – ist es fast unmöglich, am Satzende mit deiner Stimme oben zu bleiben. Versuchs mal!

Punkt #4: Variiere deine Stimmlage

Monotonie. Allein das Wort spricht sich schon wie Kaugummi. Und was eine monotone Sprechweise – womöglich gepaart mit einem langweiligen Thema – für Folgen haben kann, wissen viele von uns noch aus der Schulzeit. Oder von der letzten 0-8-15 PowerPoint-Präsentation, der man beiwohnen musste.

Es ist demnach wichtig, dass du deinem Redefluss ordentlich Würze verleihst. Das bedeutet nicht, dass du wie ein Zirkusdirektor völlig übertrieben jedes Wort artikulierst. Betone viel eher die wichtigsten Schlüsselwörter und Passagen deines Vortrags.

Dazu kannst du verschiedene Techniken nutzen:

  • Mach eine kurze Pause, bevor du ein Schlüsselwort aussprichst.
  • Verändere je nach Signifikanz deine Redegeschwindigkeit.
  • Spiele mit Tonlagen und Lautstärke.

Ein Tipp fürs Home-Office: Viele von uns haben derzeit das Glück, von Zuhause aus zu arbeiten. Unsere Kinder auch. Nutze diese Chance, um deine Tonalität zu üben: Lies deinen Kids Kinderbücher vor. Gib den Charakteren eigene Stimmen und spiel einfach etwas mit deiner Stimmlage. Das hilft dir ungemein und deine Kinder werden dich dafür noch mehr lieben.

Wenn du keine Rasselbande im Haus hast, lies zum Beispiel Zeitungsüberschriften laut vor. Such dir das wichtigste Wort in der Überschrift aus betone es ganz besonders.

Punkt #5: Das Aufnahmegerät – Dein Sparringspartner

Alle Tipps und Tricks zur Artikulation helfen wenig, wenn dir keiner sagt, ob du alles richtig machst oder wo du dich verbessern kannst. Vorhang auf für deinen grössten und ehrlichsten Kritiker: Du selbst! Schnapp dir ein Aufnahmegerät und nimm dich beim Reden auf. Das ist zu Beginn alles andere als angenehm und kann sogar befremdlich wirken. Aber es hilft ungemein dir (selbst-)bewusst beim Reden zuzuhören.

Denk dran: Deine Stimme ist dein wichtigstes Werkzeug. Egal, ob du virtuell kommunizierst oder von Angesicht zu Angesicht. Deine Stimme transportiert Emotionen und bewegt dein Publikum.

Wenn du noch weitere Tipps und Techniken zur Artikulation auf Lager hast, dann teile diese bitte als Kommentar unter diesem Beitrag.

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